Wie alles begann

Gisela Schroer, die Mutter der heutigen Gisela SchroerGeschäftsstellenleiterin Dagmar Weist, begann mit zwölf Gründungsmitgliedern und einem Kassenbestand von 12,50 DM die Geschäftsstelle Duisburg. Die ersten Pferde wurden aus tierquälerischen Transporten gerettet und auf Höfen in der Umgebung als Gnadenbrottiere untergebracht. Hunde, Katzen, Vögel und andere Kleintiere wurden in ein neues, liebevolles Zuhause vermittelt.

Dagmar Weist ist gewissermaßen mit Tierschutz aufgewachsen und übernahm 1992 die Ge-schäftsstellenleitung. Ihr Vater, Hans Schroer (Bild), war viele Jahre im Vorstand des bmt. Beide Eltern wurden zu Ehrenmitgliedern des bmt ernannt. 

Die Geschäftsstelle befindet sich heute in Issum. Unerlässlich für die Tierschutzarbeit ist die finanzielle Unterstützung der Paten für die 33 Pferde und Esel; fünf neue Paten kamen auf dem Jubiläumsfest dazu. Außer Pferden betreut die Geschäftsstelle eine Reihe weiterer Tiere in Pflegestellen, darunter Affen, Ziegen und ein Stinktier.

Frau Weist (Bild) lebt mit drei Katzen zusammen - und mit Bärli, einem 16jährigen Pekinesen-Mischling, der böse Misshandlungen erlebt hat. Er ist taub, seh-behindet, hat einen defekten Unterkiefer und eine kranke Wirbelsäule. Besucher der jüngsten Jahreshauptversammlung in Köln werden sich erinnern, dass er mehrfach durch lautes Schnarchen für allgemeine Heiterkeit sorgte.

GROSSES SOMMERFEST AUF DEM PFERDE-GNADENHOF IN GELDERN

50 Jahre! Gewissermaßen eine goldene Hochzeit zwischen notleidenden Tieren und Tierschützern. Wenn man bedenkt, wie viele Ehen in dieser Zeit zerbrechen, wie viele Vereine nur kurze Zeit existieren, dann ist der 50. Geburtstag der bmt-Geschäftsstelle Issum ein Grund zum Feiern.

Das fanden auch Hunderte von Tierfreunden, die am 19. August zum Pferde-Gnadenhof in Geldern kamen, die meisten von ihnen jünger als die Geschäftsstelle. Sie alle bilden mit dem bmt so etwas wie ein notwendiges Dreieck: Zunächst gibt es das Tier in Not, dann den hilfsbereiten Menschen, der aber das Tier nicht selbst aufnehmen und pflegen kann, und zuletzt den bmt, der beispielsweise den Gnadenhof in Geldern unterhält.

Viele der Festgäste verbindet ein gemeinsames Schicksal mit einem der 33 Vierbeiner auf dem Gnadenhof. Manchmal haben Tierschützer einen Missstand entdeckt, mit dem bmt beispielsweise die Rettung eines Pferdes organisiert und dann eine Patenschaft übernommen. Es versteht sich von selbst, dass beim Sommerfest der erste Weg dieser Besucher zum Schützling führte und Streicheleinheiten ausgetauscht wurden.

Ein toller Tag war es für die vielen mitgekommenen Kinder. Das Ehepaar Buffen, das den Hof betreibt, hat nicht nur ein Herz für Tiere, es liebt auch die Kleinen und versteht es, ihnen Abwechslung zu verschaffen. Sie konnten einen Berg aus Strohballen erklettern und auf einer Rutsche wieder hinuntersausen. Auf einem der Gocarts fahren oder mit einer Pferdedroschke eine Rundfahrt unternehmen.

Spannend für Groß und Klein waren zwei Polizeihunde, die ihr Können zeigten. Aber wie! Schäferhunde, reine Kraftpakete mit unbändiger Einsatzfreude. Sie suchten und fanden Rauschgift, das in einem Pkw verborgen war, stellten einen Täter und hinderten ihn an der Flucht. Sie fanden Waffen, die im Gelände versteckt waren und empfanden die Sucharbeit doch nur als Spiel, wie Polizei-Oberkommissar Reidenbach erläuterte.

Einen ganz anderen Hund hatte die Tierärztin Dr. Hirtz-Schmidt mitgebracht. Sie stand für Fragen über Hunde zur Verfügung und wurde von Jule, ihrer Portugieschen Wasserhündin, begleitet. Das ist eine fast unbekannte Hunderasse, die dennoch seit rund 2000 Jahren gezüchtet wird. Ursprünglich war es ein reiner Arbeitshund, der von Fischern eingesetzt wurde. Schwimmend und tauchend trieb er ihnen Fischschwärme zu und bewachte das Boot. Die spezielle Schur erstreckt sich nur auf den Hinterleib und erleichterte ihm die Arbeit. Gelobt werden seine Freundlichkeit und Intelligenz. Von ihm stammt eine Rasse ab, die wir weit besser kennen: der Pudel.

Während sich die eine Tierärztin mehr den Hunden zuwendet, macht ihre Kollegin, Frau Dr. Oekentorp, die Pferde zu ihrem besonderen Interessengebiet. Wer sein Wissen über Huftiere erweitern wollte, war bei ihr an der richtigen Stelle. Lena, eine gutmütige dreizehnjährige Stute vom Buffen-Hof wurde kurzerhand zum Unterrichtsmodell erklärt und ließ alles mit sich geschehen, was der Tierärztin in den Sinn kam. Diese griff zu einem Stück Kreide und machte Lena gewissermaßen zur Schultafel, indem sie auf dem dunkelbraunen Fell nach und nach das gesamte Skelett aufzeichnete.

Zwar ist der große Unterschied zwischen Mensch und Pferd offensichtlich, aber an den gemeinsamen Knochennamen erkennt man, wie sehr wir mit Lena verwandt sind. Auch wenn es nur Kreidestriche waren - der Zuschauer hatte das Gefühl, er habe Röntgenaugen. Kaum war das Skelett komplett, griff Frau Dr. Oekentorp zur Bürste.
Wenige Striche, und Lena hatte ihr normales Aussehen wieder. Aber jetzt wurden ihre weichen Lippen auseinander gezogen, denn sie musste ihre Zähne zeigen. Lena blieb ein Muster an Geduld, doch das ist nicht bei allen ihren Artgenossen so. Die Tierärztin berichtete, dass es leider trotz aller Vorsicht zu Zwischenfällen komme und sie auch schon manchen Huftritt abbekommen habe.

Wer nach so vielen Informationen Entspannung suchte, konnte sich am Bingospiel beteiligen oder bei einem Pferdequiz mitmachen, um vielleicht sogar einen Preis zu gewinnen.

Tierschützer haben sich immer viel zu erzählen und die gesellige Atmosphäre wurde durch eine große Kuchen- und Getränketheke noch gefördert.

Begehrt war die Möglichkeit, sich mit "seinem" Gnadenbrotpferd fotografieren zu lassen und über Computer und Drucker ein großes Foto zu erhalten, um es als liebe Erinnerung mitzunehmen. Wer aber seinem persönlichen Glück ein wenig nachhelfen wollte, konnte ein gebrauchtes Hufeisen auf hölzernem Untergrund als Wandschmuck erwerben. Die Erlöse kamen wie immer den Tieren zugute.

Es war ein schönes Fest. Zum Schluss noch die besten Wünsche für die nächsten 50 Jahre!
 
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