|
|
|
Zitate aus "stern", Nr. 22 vom 27.5.2010, Editorial und "Fleischkonsum" (Seite 32)
• Für die Produktion von einem Kilogramm Fleisch werden 15 500 Liter Wasser verbraucht. Das entspricht dem Inhalt von 80 Badewannen. Und je nach Studie verursacht der globale Viehbestand zwischen 18 und 51 Prozent aller Treibhausemissionen. Die deutschen Böden sind hoffnungslos überdüngt. Keime und Sporen belasten die Luft, durch die Viehhaltung verseuchtes Trinkwasser muss mühsam und kostspielig wiederaufbereitet werden. Das alles zahlen wir, die Steuerzahler. Die Politik wird das nicht ändern. Bauernverbände und Fleisch-Lobby sind mächtig. Ändern aber kann das der Verbraucher - weniger ist mehr, Klasse statt Masse. • Wir züchten und mästen und schlachten und stopfen wie nie zuvor. Nie war Fleisch so günstig. Aus Ställen wurden Fabriken, aus Feldern Gülle-Seen, aus Wasserreservoirs Pestizidbecken und aus nahrhaften Tieren Protein- und Antibiotikaspeicher. • Die Zahl der Dicken, eine Milliarde, hat die Zahl der Unterernährten, 800 Millionen, bereits überschritten, besagt eine US-Studie. • Dass die Deutschen so viel Fleisch futtern, liegt eben auch daran, dass es bei uns so billig ist. Für ein Kilogramm Schweinekotelett arbeiteten die Teutonen 1960 noch zwei Stunden und 37 Minuten - inzwischen nur noch eine halbe Stunde. Ein Kilo Brathähnchen entsprach vor 50 Jahren der Arbeit von zwei Stunden und 13 Minuten, heute von 13 Minuten. • In 40 Jahren haben es einige wenige Unternehmer erreicht, die Tiermast in eine ethisch verwerfliche, tierquälerische, unhygienische Massentierhaltung zu zwingen und uns Verbrauchern dieses Fleisch auch noch als bäuerliche Wertarbeit anzudrehen. • 99 Prozent des in Deutschland verkauften Fleisches entstammen der Turbomast. Man kann das auch so sehen: von 100 Tieren, die gegessen werden, haben 99 nicht wirklich gelebt. Sie wurden geboren und vegetierten in Hallen dahin, um möglichst rasch mit möglichst viel Gewicht auf schwachen Rippen getötet zu werden. • Gerade 75 mal 100 Zentimeter stehen einem 90-Kilo-Schwein in jener Haltung zu, die heute konventionell heißen darf, festgelegt in der deutschen „Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung“. Für Hühner sieht das Gesetz – allen Tierschutzbemühungen zum Trotz – sogar noch weniger Platz als bislang vor: Seit Kurzem dürfen 39 statt 35 Kilogramm Federvieh auf einem Quadratmeter Stall gemästet werden – etwa 25 schlachtreife Hühner auf der Fläche eines Badelakens, macht ein halbes DIN-A4-Blatt pro Vogel. Küken schlüpfen nach gut drei Wochen, und binnen vier nehmen sie das 30-Fache ihres Körpergewichtes zu – von 40, 50 auf 1500 Gramm. Ein Mensch, kraftfuttergepäppelt, müsste nach dieser Logik schon im Kleinkindalter um die 90 Kilo wiegen.
• „Die industrielle Fließbandhaltung von Tieren ist zweifelsohne eines der dunkelsten, schandhaftesten Kapitel der menschlichen Kultur“, schrieb der Nobelpreisträger und Verhaltensforscher Konrad Lorenz. |